Yvonne Szpadzinski
Yvonne Szpadzinski

Mittwoch, 25.7.2012

 

13:45 Uhr Ankunft unserer Söhne Marcel und André

Wir sind unseren Söhnen unendlich dankbar, dass sie sich spontan auf den Weg von Osnabrück nach Usedom machen, um ihrer Schwester beizustehen.

Auch für uns sind Marcel und André - obwohl selbst betroffen - eine große Stütze. Sie fahren mit uns jeden Tag in 50 km entfernte Greifswald und es tut gut, diese große Belastung gemeinsam tragen zu können.

 

16:00 Uhr Uni Greifswald

Der Arzt ist überrascht, dass sich Yvonne in den ersten kritischen 24 Stunden stabilisiert hat. Nach ersten Untersuchungen haben die Organe keinen Schaden genommen.

Jedoch braucht ihr Kreislauf ständig Adrenalinschübe, so dass ihre Herzfrequenz bei 135 Schlägen pro Minute liegt.

Dafür ist der CO2-Gehalt in der Beamtung von 75 % auf 25 % gesunken. In der Nacht soll die Sedierung, d. h. das künstliche Koma, reduziert werden. Als Trost haben wir Yvonne, der wir tausend schöne Dinge ins Ohr flüstern und sicher sind, dass sie sie hört, ihre kleinen Stoffdelfin Chabelita in die Hand gelegt.

 

 

Donnerstag, 26.7.2012, 9:00 Uhr

 

Als nachts die Sedierung reduziert wird, reagiert Yvonne unruhig. Durch die Infusionen hat sich Wasser im Körper eingelagert und da auch der Kreislauf noch nicht stabil ist, verzichten die Ärzte zunächst auf eine Extubation.

Es besteht die Gefahr, dass man, wenn Yvonne nicht sofort selbstständig zu atmen beginnt, eine erneute Intubation nur unter großen Schwierigkeiten setzen kann.

Außerdem ist durch ein evtl. Anschwellen der Luftröhre die Sauerstoffversorgung für Yvonne gefährdet.

 

Wir sind durch das behutsame Vergehen der Ärzte auf der Intensivstation beruhigt und freuen uns über Reaktionen unserer Tochter wie Lidzucken und Reflexbewegungen an den Zehen.

 

Marcel und André haben Yvonne's Kuscheltier, den grau-weißen Delfin mitgebracht, der ihr als Kopfstütze und Trostspender dienen soll.

 

In dieser schweren Zeit, in der unser Nervenkostum extrem angespannt ist und unsere Gedanken immer wieder hin- und herwandern zwischen Hoffen, Bangen, Angst und Zweifeln, werden wir getragen von den lieben und mitfühlenden Reha-Familien, die zum einen Anteil nehmen an unserer Situation, für Yvonne beten und uns die Daumen drücken und uns in vielen Gesprächen immer wieder Mut machen.

 

 

 

Freitag, 27.7.2012, 10:00 Uhr

 

Als wir Yvonne an diesem Morgen begrüßen, schlägt sie das erste Mal seit ihrem Unfall wieder die Augen auf. Das Wunder von Greifswald ist geschehen und wir feiern Yvonne`s 2. Geburtstag.

 

Sie zeigt wieder normale Reaktionen in ihren wachen Phasen. Ich sprühe ihr Parfüm auf, damit sie ihren gewohnten Duft wieder wahrnehmen kann und die Krankenschwester bittet um Yvonne`s persönliche Körperpflege.

Wie schön, endlich wieder etwas Normalität!

Der Oberarzt klärt uns in einem langen Gespräch über die weitere geplante Vorgehensweise auf. Es soll ein Tracheostoma implantiert werden, so dass der krankheitsbedingte Schleim auch tracheal abgesaugt werden kann.

Eine erneute Legung eines Beatmungsschlauches würde dadurch erleichtert werden. Dieser operative Eingriff hätte als nächstes angestanden, um Yvonne das ständige Abhusten zu erleichtern.

Bereitwillig unterschreiben wir als gesetzliche Betreuer die erforderliche Einverständniserklärung und glauben an das Glück im Unglück.

 

 

Samstag, 28.7.2012, 15.30 Uhr

 

Die Entzündungswerte, die bei der Einlieferung bei 25 lagen, sind beim Niedrigwert von 2 angelangt.

Der Herzfrequenzmesser zeigt wieder normale Werte bei 60. Dieser Wert steigt am 80 an, wenn wir mit Yvonne sprechen und sie am Hinterkopf massieren bzw. er fällt auf 40, wenn Yvonne in den Tiefschlaf übergeht, was bei den Schmerz-, Schlaf- und Beruhigungsmitteln kein Wunder ist. Jedoch hat man auf die Zufuhr von adrenalin-ähnlichen Mitteln fast ganz verzichtet, die ihren Kreislauf unterstützen mußten.

Tapferes Mädchen, auch das schaffst du wieder allein! Wir sind so stolz auf dich!

 

 

Sonntag, 29.7.2012, 10.30 Uhr

 

Marcel und André fahren zurück in ihren Alltag, denn ihre Verpflichtungen in ihrem selbstständigen Leben rufen sie wieder zurück nach Osnabrück.

Auf dem Nachhauseweg schauen sie nochmal bei ihrer Schwester vorbei.

 

Yvonne geht es gut bei Puls 48, Blutdruck 135/45, O2 97 %, Körpertemperatur 36,7 °C.

 

Nachmittags fällt ihr Blutdruck mehrmals auf unter 115, ansonsten zeigt sie körperlich stabile Werte.

Wir stellen den mitgebrachten CD-Player und CDs mit Entspannungsmusik, Delfingeräuschen und sanften Sommerhits zur Verfügung. So kann Yvonne von den Geräuschen der Intensivstation etwas abgelenkt werden.

 

Montag, 30.7.2012, 16.00 Uhr

 

Als wir das Krankenzimmer der Intensivstation betreten, hat man Yvonne gerade wieder aus dem OP zurückgebracht.

Zusammen mit den HNO-Ärzten hat man Yvonne bereits tracheotomiert. Dabei wurde der 8 mm(!) dicke Nasentubus gezogen und Yvonne ist jetzt durch das Tracheostoma mit einem Beatmungsschlauch an die Lungenmaschine angeschlossen.

Nach einer Stunde erwacht sie aus der Narkose und blinzelt mit den Augenlidern. Ihre Werte liegen im Normalbereich. Der Oberarzt versichert uns, dass der Eingriff gut verlaufen sei.

Die Krankenschwester verspricht heute eine Wellnesseinheit mit Haarewaschen als Belohnung.

Ihr Blutdruck ist heute konstant bei 145/45 und ihre Körpertemperatur bei 36,7 °C.

 

 

Dienstag, 31.7.2012, 16.00 Uhr

 

Heute beunruhigt uns Yvonne's erhöhte Körpertemperatur von

38,4 °C/38,6 °C, die seit heute morgen von 37,2 °C ständig anstieg. Laut Krankenpfleger gibt es zwei Möglichkeiten:

Entweder liegt es daran, dass die Schlaf- und Schmerzmittel abgesetzt wurden oder es ist ein Infekt. Der tracheal entnommene Sputus ist weißlich-gelb. Er wird – ebenso wie das abgenommene Blut – ins Labor geschickt.

Yvonne ist wach und happy, uns zu sehen. Sie zeigt dies deutlich mit mehrmaligem Lächeln und einem Dauer-Augenklimpern. Wir verwöhnen sie mit dem Finger-Massage-Ring, Kraulen, Haare bürsten und Fußmassage. Die mitgebrachte Lichterkette soll Yvonne ihre gewohnte Umgebung bieten. Nachts soll das warme Licht sie beruhigen und an zu Hause erinnern.

 



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